Wie funktionieren Strukturaufstellungen?

Die vieltausendfache Erfahrung zeigt, DASS Aufstellungen sowohl funktionieren und auch sehr wirksam sind.

Es gibt inzwischen auch eine ganze Reihe dazu durchgeführter wissenschaftlicher Untersuchungen, die das nach den psychologischen Standardverfahren evaluiert haben und hoch signifikant bestätigten.
Literaturliste dazu unten.

Es muss allerdings zugestanden werden, dass es bisher noch keine Theorie gibt, die das Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung und der sehr präzisen Abbildung durch die Simulation in der Aufstellung befriedigend erklärt.

Gängige Antworten wie die vom "wissenden Feld" lassen nicht verstehen, weshalb sich dieses Feld gerade in Aufstellungen zeigt. Woher es kommt? Wo sonst es sich äußert? Ob viel häufiger als wir denken, oder doch nicht? Welcher Art sind die Informationen?

Ich halte dies für eine hochspannende Forschungsaufgabe, die sicher noch viele überraschende Erkenntnisse ans Licht bringen wird!


LITERATUR:

Peter Schlötter
Vertraute Sprache und ihre Entdeckung
Systemaufstellungen sind kein Zufallsprodukt - der empirische Nachweis
Mit einem Vorwort von Fritz B. Simon
215 Seiten, Kt, 2005
Carl-Auer Verlag
ISBN 3-89670-338-2


Systemaufstellungen finden heute in Therapie und Beratung breite Anwendung. Grundhypothese der Aufstellungsarbeit ist, dass die "repräsentierende Wahrnehmung" des jeweiligen Stellvertreters nicht zufällig ist, sondern von der Position in der Aufstellung bestimmt wird.
Schlötter weist in diesem Buch nach, dass die Wahrnehmung der Position im Raum tatsächlich einer allgemein verständlichen Semantik folgt, vergleichbar einer Sprache. Sein Versuchsdesign entspricht dabei naturwissenschaftlichen Ansprüchen ­ für eine Beratungsmethode ist dies bislang wohl einmalig!
Diese Arbeit wird die Diskussion um Systemaufstellungen beeinflussen. Zahlreiche Fragen rund um die Anwendung der Methode können
neu erörtert und z.T. beantwortet werden. Darüberhinaus bekommt die allgemeine Erforschung sozialer Systeme neue Impulse, die bis hin zur Anthropologie und Kulturtheorie fruchtbar werden können.




Martin Kohlhauser
Friedrich Assländer
Organisationsaufstellungen evaluiert
Studie zur Wirksamkeit von Systemaufstellungen in Management und Beratung
157 Seiten, 22 Abb., Kt, 2005
Carl-Auer Verlag
ISBN 3-89670-483-4

Die Methode der Aufstellung wird zunehmend von Beratern genutzt, um problematische Situationen in Teams, Abteilungen oder ganzen Organisationen abzubilden und Lösungen anzuregen. Bislang fehlten jedoch Untersuchungen zur Wirksamkeit von Organisationsaufstellungen.

Martin Kohlhauser und Friedrich Assländer gehen hier der Frage nach, was Aufstellungen im Organisationsbereich leisten können. Dazu wurden Aufstellungsklienten in Interviews und Fragebogen über die Auswirkungen und den Nutzen ihrer Organisationsaufstellung befragt. Die Antworten der Befragten geben u. a. Hinweise auf die möglichen Folgen bestimmter Interventionsschritte im Aufstellungsprozess.

Neben theoretischen Grundlagen der Aufstellungsarbeit vermitteln die Autoren Erfahrungen mit Aufstellungen im Coaching sowie zum Wissensmanagement mit Aufstellungen und zeigen die Anknüpfungspunkte zu Organisations- und Personalentwicklung auf.
Das Buch richtet sich gleichermaßen an Beratungsprofis wie an Beratungskunden.



Gert Höppner
Heilt Demut - wo Schicksal wirkt? Eine Studie zu Effekten des Familien-Stellens nach Bert Hellinger
373 Seiten, 2001
Profil -Verlag München Wien
ISBN 3-89019-508-3

In der großangelegten Studie mit dem Titel „Heilt Demut – wo Schicksal wirkt?“ werden anhand der Daten von 85 KlientInnen die Auswirkungen eines Aufstellungsseminars über einen Zeitraum von fünf Monaten untersucht. Angelika Hall, Systemische Therapeutin und Beraterin, München war für die gesamte Durchführung der Aufstellungsarbeit vom SySt autorisiert und leitete bis auf Gruppe 4 (Leitung Ursula Franke) alle Aufstellungen. Angelika Hall ist die erste Absolventin der gesamten 4jährigen SySt-Ausbildung.
Diese Evaluationsstudie folgt der Logik eines Quasi-Experiments mit Treatment- vs. Kontrollgruppe, vier Messzeitpunkten und statistischer Signifikanzprüfung.

Als Effektivitätskriterien werden – auf Grund des Pilotcharakters dieser Arbeit – in erster Linie persönlichkeitspsychologische Parameter gemessen. Theoretische Grundlage bildet die von Klaus Grawe (Psychologische Therapie, 1998) modifizierte Persönlichkeitstheorie Seymour Epsteins. Den in diesem Modell beschriebenen vier basalen Bedürfnissen eines Individuums ist nach Grawes Auffassung das sog. „Konsistenzprinzip“ übergeordnet. Es stellt aus systemtheoretischer Perspektive die grundlegendste Forderung an das Zusammenspiel der psychischen Aktivitäten. Dieses Metaprinzip und die vier Grundbedürfnisse wurden durch anerkannte und verbreitete Messinstrumente operationalisiert (u.a.: SCL-90-R, FSKN, SOC-Q, FKK).

Bezogen auf die These Bert Hellingers, dass die Veränderung des externalisierten „inneren Bildes“ der Ursprungsfamilie heilend sei, lautet nun die zentrale Forschungshypothese: „Verändert das Familien-Stellen die Selbsttheorie(n) der KlientInnen?“ Dabei wird unterstellt, dass diese Selbsttheorien bzw. Selbstkonzepte die bewusstseinsfähigen und verbalisierten Korrelate des „inneren Bildes“ darstellen.

Da die verwendeten Fragebögen hohe Interkorrelationen aufwiesen, wurde eine Faktoren-analyse durchgeführt und anschließend rotiert. Sie erbrachte fünf unabhängige Faktoren, von denen drei mit einzelnen Messinstrumenten identisch waren. Der statistische Vergleich erfolgte zunächst über die Faktorwerte.

Es wurden dabei die Werte vor der Aufstellung mit denen nach der Aufstellung verglichen. Dies erbrachte auf vier der fünf unabhängigen Faktoren signifikante Verbesserungen.

Der Vergleich anhand der acht Einzelinstrumente zeigte darüber hinaus, dass diese Verbesserungen von klinisch-therapeutischer Relevanz sind. Dies gilt auch für jene TeilnehmerInnen mit starker psychischer Belastung zu Beginn der Untersuchung.

Diese Ergebnisse sprechen für eine Verbesserung des aktuellen psychischen Befindens wie auch für deutliche Verbesserungen der als relativ stabil angesehenen, individuellen Einstellungen zum eigenen Selbst.

Die Werte der Kontrollgruppe veränderten sich während einer viermonatigen Wartezeit dagegen nicht signifikant.

Neben der Frage nach den Effekten des Familien-Stellens wurden eine Vielzahl weiterer Hypothesen geprüft. So wurden u.a. in der Eingangsdiagnostik zusätzlich Daten erhoben, die sich auf die aktuellen Erinnerungen der KlientInnen an das Familienklima in ihrer Kindheit bezogen. Dies diente der Forschungshypothese I, ob und inwieweit ein Zusammenhang von Erinnerung – als verbale Annäherung an das Konstrukt des „inneren Bildes“ sensu Bert Hellinger – und Einstellungen zum eigenen Selbst und dem psychischen Befinden besteht. Einen engen Zusammenhang betrachtet der Autor als inhaltlich-logische Voraussetzung für die zu untersuchende Methode. Die statistische Prüfung konnte diese These nicht falsifizieren. Damit erhält der therapeutische Ansatz Bert Hellingers, Einfluss auf die internal repräsentierten Strukturen der Familienkonstellation zu nehmen, eine empirische Stützung. Abgerundet wird der empirische Teil von weiteren Nebenhypothesen, Kasuistiken bezüglich verschiedener Anliegen und einem Ausblick auf Möglichkeiten künftiger Forschung.